Die Geschichte der Alemannia

Als älteste Kölner Burschenschaft wurden wir am 16.Januar 1920 im ehemaligen kleinen Verhandlungszimmer des damaligen Brauhauses ‚Dom-Bräu‘ (heute: ‚Sion‘) in der Kölner Altstadt gegründet.Mit ’schwarz-rot-gold‘ wählte man die Farben der deutschen Studentenbewegung zu unseren Bundesfarben, unser Wahlspruch lautet bis heute ‚Ehre! Freiheit! Vaterland!‘. Auf unsere Initiative hin wurde zum Ende des Wintersemesters 1919/20 der Kölner Waffenring der schlagenden Korporationen gegründet. Wenig später beschlossen wir, uns dem ‚Allgemeinen Deutschen Burschenbund‘ (ADB) als Dachverband anzuschließen. Die Aufnahme erfolgte auf dessen 37.Bundestag vom 23.- 25. Mai 1920 in Frankenhausen am Kyffhäuser. Nach einer erfolgreichen Entwicklung unserer Burschenschaft in der Weimarer Republik begann mit dem Sommersemester 1933 die Bedrohung der studentischen Korporationen durch die politischen Ereignisse. Nach Beschluss des ADB-Bundestages über die Verschmelzung des ADB mit der Deutschen Burschenschaft (DB) traten wir am 16. Dezember 1933 der DB als neuem Dachverband bei.

Der 2. Weltkrieg

In den Folgejahren setzte durch die Entstehung des ‚Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes‘ das große Sterben der Studentenverbindungen ein, so daß auch die Kölner Burschenschaft Alemannia am 29. Februar 1936 ihre Auflösung beschloß. Von 1939 bis 1947 ruhte dann das offizielle Korporationsleben, da Krieg und Besatzung jedes Verbindungsleben erstickten. Am 15. Dezember 1948 wurden wir schließlich unter dem Namen ‚Artus‘ wiedergegründet, um das ‚A‘ unseres Zirkels zu erhalten. Die Verbindung zu ‚Alemannia‘ durfte der Universitätsbehörde gegenüber zunächst noch nicht bekannt werden. Vom 15. – 17. Juni1950 fand in Marburg der erste Burschentag nach dem Zweiten Weltkrieg statt: die Deutsche Burschenschaft (DB) wurde neugegründet und ‚Artus(Alemannia)‘ wieder aufgenommen. Am 2. Mai des Folgejahres erfolgte dann auch die Namensänderung von ‚Artus‘ zu ‚Alemannia‘, die nun vom Senat der Universität genehmigt wurde.

Unser Verbindungshaus

Im Dezember 1958 erwarben wir unser heutiges Verbindungshaus in der Theresienstraße 40 in Köln-Lindenthal. Die Außenfassade des Hauses ist im Jahr 1999 komplett renoviert worden, so dass wir ein echtes Schmuckstück in Köln präsentieren können. In den folgenden zwei Jahren ist das Haus auch von innen komplett erneuert worden: Alle 12 Zimmer verfügen über einen TV- und Telefonanschluss und in fast jedem dieses denkmalgeschützten Altbaus liegt Parkett oder Laminat. Des Weiteren haben wir ein Funknetzwerk, das den unbegrenzten Zugang ins Internet ermöglicht. Das Haus ist bis heute der Dreh- und Angelpunkt unseres Verbindungslebens und bietet einen angemessenen Rahmen für unsere Veranstaltungen. So finden hier zahlreiche Vorträge, Seminare und gesellige Veranstaltungen statt, wie z.B. unsere besonders von den Damen geschätzten Ballabende. Auch den Fechtbetrieb führen wir hier durch. Unser Ziel ist es vor allem, auch weiterhin interessante Veranstaltungen zu bieten und eine intakte Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.

Wir leben Demokratie – nicht Extremismus

Es ist nicht immer einfach, sich als Burschenschafter im täglichen Leben zu behaupten. Häufig ist man Anfeindungen ausgesetzt, man sei zu rückwärtsgewandt, blicke nicht genügend in die Zukunft und man verschotte sich hinter den schützenden schweigenden Mauern seines Verbindungshauses. Aber die Realität sieht anders aus: ‚Gute Traditionen bewahren und Zukunft gestalten, den Dialog suchen und sich der Diskussion stellen‘ ist die wohl treffendere Devise. Einer der übelsten Vorwürfe, der nicht selten von einseitig berichtenden Medien forciert wird, ist die Meinungskeule, Burschenschaften seien rechtsextrem. Ein solcher Vorwurf ärgert uns wahnsinnig! Diejenigen möchten wir gerne einmal kennenlernen, die uns so etwas nachsagen. Denn ganz offenbar kennen sie uns nicht, sonst würde sie nicht einen derartigen von Unwissenheit geprägten und an Geschmacklosigkeit grenzenden Unsinn verbreiten. Wer sich einmal mit der Geschichte der Deutschen Burschenschaft befaßt hat, der weiß, daß wir nicht rechtsextrem, sondern ganz im Gegenteil, daß wir im Sinne der Burschenbewegung von 1815 urdemokratisch sind. Und derjenige weiß auch, daß am 18. Mai 1848 das erste gesamtdeutsche Parlament in der Frankfurter Paulskirche zusammen gekommen war und es maßgeblich deutsche Burschenschafter waren, die hier versuchten, freiheitliche und demokratische Rechte zu verankern. Unter Hitler wurden die Verbindungen verboten und aufgelöst. Den Studenten wurde nahegelegt, in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund einzutreten. Viele Burschenschafter haben dies aber gerade nicht getan, sondern sie haben sich in sogenannten Kameradschaften im Untergrund zusammengeschlossen und haben gegen das faschistische, gegen das rechtsextreme und gegen das undemokratische System gekämpft. Soweit nur einige historische Beispiele für unsere demokratische Tradition.

Aber was machen wir heute?

Heute leben wir diese Tradition als Kölner Burschenschaft Alemannia täglich weiter: Unsere demokratische Conventsverfassung ist nur eines von vielen Beispielen. Convente sind regelmäßig stattfindende Zusammenkünfte, auf denen neben dem ‚Tagesgeschäft‘ auch Grundsatzfragen diskutiert werden. Es werden Argumente und Meinungen ausgetauscht, und wenn kein Konsens erreicht werden kann, dann wird abgestimmt und die Mehrheit entscheidet. Die Kölner Burschenschaft Alemannia wurde 1920 direkt nach Wiedererrichtung der Kölner Universität mit den Farben schwarz-rot-gold und ihrem Wahlspruch ‚Ehre, Freiheit, Vaterland‘ gegründet. Natürlich sind wir – unser Wahlspruch deutet es an – auch ein patriotischer Bund. Wir machen nur nicht den Fehler Patriotismus mit Extremismus gleichzusetzen. Wir sind für ein freies, gleichberechtigtes und ungeteiltes Vaterland in einem geeinten Europa und sind zudem der Auffassung, daß man zunächst seine eigenen nationalen Interessen definieren muß, um dann als ernstzunehmender und verläßlicher Partner im europäischen Integrationsprozeß und der Weltpolitik auftreten zu können.

Das Fechten

Als ein fakultativ schlagender Bund ist jeder Bundesbruder verpflichtet, das studentische Fechten zu lernen, es wird ihm aber freigestellt, ob er eine scharfe Mensur schlägt. Scharfe Mensur bedeutet, daß mit scharfen Klingen gefochten wird und daher auch Hiebverletzungen möglich sind.

Der Lebensbund

Konstitutives Element unseres Bundeslebens ist auch das Lebensbundprinzip, nach dem alle Bundesbrüder auch über das Studium hinaus unserer Verbindung als Alte Herren verbunden bleiben. Das Gespräch mit Alten Herren bietet für jeden eine hervorragende Möglichkeit, sich über Berufsperspektiven in seinem Studienfach zu informieren, Geschichte aus Erzählungen lebendig zu erfahren oder Erfahrungsaustausch zwischen den Generationen zu praktizieren. Mittelpunkt unseres Verbindungslebens ist ein denkmalgeschütztes Korporationshaus im schönen Kölner Stadtteil Lindenthal, zehn Fußminuten von der Universität entfernt. Hier leben einige Bundesbrüder und hier werden auch alle unsere Veranstaltungen durchgeführt.

Warum wir Alemannen sind

Faszinierend an der Burschenschaft ist, daß in Vortragsveranstaltungen, die wir selbst organisieren, daß durch Kurzreferate, die jeder Bundesbruder halten muß, und daß durch den Kontakt zu Bundesbrüdern anderer Studienrichtungen, Bildung über die eigenen Fächergrenzen hinweg vermittelt wird. Durch die Wahrnehmung eines der vielen Ämter innerhalb der Verbindung wird Verantwortungsbewußtsein geschult, Organisationstalent gefördert und Persönlichkeit gebildet – das alles sind, wie wir meinen, Schlüsselqualifikationen für den späteren Berufs- und Lebensweg. Neben den Bildungsveranstaltungen – bei uns referieren Professoren, Politiker und Vertreter aus der Wirtschaft – sind aber auch gesellige Veranstaltungen und das normale Alltagsleben innerhalb der Burschenschaft fester Bestandteil unserer Aktivitäten. Schließlich sind wir nicht zuletzt ein Bund von Freunden, die zusammen studieren, zusammen ausgehen, ein Pläuschchen bei einem guten Kölsch halten und auch aus diesen Gründen viel Spaß miteinander haben.